Archiv für: Juli 2009, 10
Werte-Dialog - Vom Glauben an einen ethischen Kapitalismus
Juli 10th, 2009Leserkommentare auf Welt Online (welt.de) zu gleichnamigem Artikel:
"Gregor" meint:
"Auf dem Foto* sieht man zwei Wohlstandsbürger, die auf der Fettsuppe des Kapitalismus schwimmen und auch noch bestens davon Leben, diesen zu verteufeln. Das ist die wahre Größe unserer Demokratie."
* Bishof Huber und Kardinal Lehmann, grinsend; die Red.
"Pro West" glaubt:
Wohlstand gibt es weltweit ausschließlich in kapitalistischen Ländern, gleichzeitig gibt es in ausnahmslos allen kapitalistischen Ländern Wohlstand. Warum also immer wieder diese Debatte? Wenn wir heute einen moralisch hochüberlegenen - sagen wir mal: Anarchokommunismus einführen, liegt das Land morgen in Schutt und Asche. Wenn wir einen Sozialismus einführen, passiert dasselbe später - passieren wird es aber doch.
"Joe" bemerkt:
Evangelische Landeskirche Oldenburg verzockt 4,3 Millionen Euro anKirchensteuergeldern bei Lehmann Brothers.
Es ist klar, daß die, die Wasser predigen und Wein trinken zum elitären Kreis derer gehören, die sich Kirchensteuern via Finanzamt eintreiben lassen.
"Kapitalismus? Wo?" sagt:
Kapitalismus? Wo ist denn hier Kapitalismus. Ich sehe nur von staatlichen Gelddruckmaschinen befeuerte Oligarchien.
Der Staat druckt (Dollar, Euro, Yuan, Yen, ....), reicht es an die Banken, die geben (versenken) es (nach Abzug der Boni) - vervielfältigt per System - weiter an: Subprimes, wirtschaftlich schwache Schwellenländer (Argentinien), noch schwächere Volkswirtschaften in der Groß-EU (Estland, Bulgarien, ....). Alles unter Vereinnahmung von Tantiemen. So werden die Banken dann im Gegenzug die Finanzierung von Wahlversprechen auf Kosten der Folgegeneration bereitstellen (HRE, systemrelevante Banken).
Jede Parte, jeder Politiker weiß nun, dass die Banken ihn unterstützen. Das wiederum setzt den Wähler in die Lage, eine Partei zu wählen, die ihm (jedem die seine) mehr verspricht, als derzeit erarbeitet wird. Und das tut er dann auch.
Das also ist die derzeitige Wirtschaft, Oligarchien schachern sich die Gelder zu - auf Kosten des Volkes, welches unter den Oligarchien diejenige wählt, welche ihm am meisten (jedem das seine) verspricht.
Und was ist nun Kapitalismus?"Paolo Pinkel" behauptet:
Die ehemalige Kirchenbank Accredo (Nürnberg) wurde vor einigen Jahren mit der Kirchenbank in Kassel zwangsfusioniert. Der damalige Aufsichtsratvorsitzende, der Finanzleiter der evangelischen Kirche aus München, fuhr jeden Freitag von München nach Nürnberg zur Sitzung mit den beiden Vorständen, natürlich auf Bankkosten. Danach fuhr er weiter nach Zirndorf zur Familie.Trotz dieser engen Aufsicht klatschte die Bank an die Wand. Die beiden Geschäftsführer wurden abgesetzt, der Aufsichtsratvorsitzende blieb im Amt, da er die Rückendeckung des Bischofs hatte. Etliche Arbeitsplätze gingen durch die Fusion verloren.
Deshalb haben die Kirchen nicht das Recht, mit erhobenem Finger auf die bösen und blöden Bänker zu zeigen.
Yvonne Walden erläutert:
"Christentum" und "Arbeiterbewegung" sind Gegensätze wie Feuer und Wasser. Schließlich waren es die beiden Großkirchen, die bis ins 19. Jahrhundert hinein an der Unterdrückung mitbeteiligt waren. "Befreiung und Glück" sollte es erst im fernen Himmelreich geben, so die Kirchenoberen.
Wenn sich die Kirchenoberen jedoch heute immer noch als "schlechte Arbeitgeber" zeigen und sogar gewerkschaftliche Aktivitäten (innerhalb der katholischen Kirche) strikt ablehen, spricht dies Bände !
Da helfen dann auch keine beschwichtigenden Worte der Bischöfe oder sogar des Papstes. "An den Taten sollt ihr sie messen", steht auch irgendwo in der Bibel. "Gute Taten" sind auch bei den Kirchenoberen nicht an der Tagesordnung, deshalb lassen sich die meisten Menschen von den "schönen Worten" eines Bischofs Huber oder eines Papstes Ratzinger kaum beeindrucken oder überzeugen.